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Am 13. Juni 1927 wurde René Durand in Lyon geboren. Er kam in eine Familie, in der die Kunst zum Alltag gehörte. Sein Vater leitete ein Theater, seine Mutter war Opernsängerin. Schon als Kind lernte er die Welt hinter den Kulissen kennen – den Geruch der Bühne, das Licht der Scheinwerfer und die Magie eines Theaters, das Menschen zum Lachen, Weinen und Staunen brachte.
Doch das Schicksal hatte einen völlig anderen Weg für ihn vorgesehen.
Mit nur fünfzehn Jahren geriet René mitten in die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Als Mitglied der französischen Résistance half er Menschen und stellte sich dem nationalsozialistischen Terror entgegen. Schließlich wurde er von der Gestapo verhaftet. Es folgten Verhöre, Gefängnisse und der Transport in deutsche Konzentrationslager. Von den unvorstellbaren Qualen gezeichnet, überlebte er unter anderem Buchenwald und Flossenbürg – Orte, an denen unzählige Menschen ihr Leben verloren. Dass René diese Hölle überstand, grenzte an ein Wunder.
Nach der Befreiung kehrte er nach Frankreich zurück. Viele Menschen wären nach einer solchen Vergangenheit zerbrochen. René Durand jedoch entschied sich für das Leben. Er reiste durch Europa, arbeitete als Bergmann, Straßenmusiker, Künstler und Gelegenheitsarbeiter. Er suchte seinen Platz in einer Welt, die nach dem Krieg erst langsam wieder Hoffnung fand. Seine Reisen führten ihn unter anderem nach Schweden, wo er einen Jazzclub leitete, bevor ihn sein Weg schließlich nach Hamburg führte.
Dort entdeckte er einen Stadtteil, der ebenso rau wie faszinierend war: St. Pauli.
In den 1960er-Jahren gründete René Durand das Salambo Theater. Was zunächst wie ein kleines Theaterprojekt begann, entwickelte sich zu einer der bekanntesten und umstrittensten Bühnen Europas. Während überall noch Zensur herrschte und selbst nackte Haut auf Bühnen verboten war, wagte René etwas, das damals kaum vorstellbar schien.
Er machte Erotik zur Theaterinszenierung.
Mit aufwendigen Bühnenbildern, Choreografien, Humor, Musik und internationalen Künstlern schuf er Shows, die weltweit ihresgleichen suchten. Das Salambo wurde weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und machte die Große Freiheit zu einem internationalen Anziehungspunkt. Für die einen war René Durand ein Provokateur. Für die anderen ein Visionär. Für viele war er schlicht der Mann, der das Theater neu erfand.
Sein Weg war jedoch niemals einfach.
Immer wieder geriet er mit Behörden aneinander. Razzien, Gerichtsverfahren, Bußgelder und Schließungsverfügungen gehörten jahrzehntelang zu seinem Alltag. Doch René gab nie auf. Immer wieder öffnete sich der Vorhang erneut. Wo andere kapituliert hätten, kämpfte er weiter – nicht nur um sein Theater, sondern um seine Überzeugung, dass Kunst sich nicht von Paragraphen einsperren lassen darf.
1983 traf ihn der nächste schwere Schicksalsschlag. Das Salambo brannte nach einer Brandstiftung vollständig aus. Viele glaubten, das sei das Ende. Doch René Durand bewies erneut seinen unbeugsamen Willen. Er eröffnete das Theater erneut und führte es weiter – ausgerechnet in den legendären Räumen des ehemaligen Star-Clubs, wo einst die Beatles ihre Karriere begonnen hatten.
In den folgenden Jahren wurde seine Tochter Yvonne Durand immer stärker in die Leitung des Salambo eingebunden. Sie entwickelte später eigene spektakuläre Inszenierungen und schrieb mit ihren Produktionen selbst Theatergeschichte. Vater und Tochter verband die Leidenschaft für die Bühne – jeder auf seine eigene Weise.
Nach der endgültigen Schließung des Salambo im Jahr 1997 zog sich René zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Er verbrachte Zeit im Ausland, kämpfte gegen schwere Krankheiten und kehrte schließlich nach Hamburg zurück. Trotz Krebs, Herzinfarkten und eines Schlaganfalls blieb er bis zuletzt der Mann mit dem französischen Charme, dem feinen Humor und der unerschütterlichen Liebe zum Theater.
Am 17. Januar 2013 starb René Durand im Alter von 85 Jahren in Hamburg. Mit ihm ging eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die St. Pauli jemals hervorgebracht hat.
Doch sein Vermächtnis lebt weiter.
Nicht nur in den Erinnerungen der Menschen, die ihn kannten, sondern auch in den Geschichten des alten St. Pauli, in zahllosen Fotografien, Filmen und Erzählungen – und vor allem in seiner Familie, die seine Geschichte bewahrt.
René Durand war weit mehr als der Gründer des Salambo.
Er war Résistance-Kämpfer, KZ-Überlebender, Schauspieler, Theaterleiter, Visionär und unbeirrbarer Kämpfer für die Freiheit der Kunst.
Sein Leben beweist, dass selbst ein Mensch, der die dunkelsten Kapitel der Geschichte erlebt hat, die Kraft finden kann, Millionen Menschen mit Fantasie, Mut und Lebensfreude zu berühren.

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